www.elektrostatikhilfe.de

Elektrostatik in der Praxis

Tipps für die Verwendung von Ionisationssystemen

Übersicht


1 Dort wo die Elektrostatik stört muss sie auch beseitigt werden

2 Das Ionisationsgerät kann nur das entladen was es sieht

3 Geladene Oberflächen sollten immer komplett entladen werden

4 Streufeld der Ionisation nicht einschränken

5 Ionen gehen nicht durch Schläuche, Rohre oder Düsen



1 Dort wo die Elektrostatik stört muss sie auch beseitigt werden


Direkt dort wo die Elektrostatik stört muss sie auch beseitigt werden. Das bedeutet im Idealfall: Nicht davor und nicht dahinter, ran mit dem Ionisationsgerät an den „Tatort“. Es nützt wenig wenn das Ionisationsgerät irgendwo vor oder nach der Problemstelle oder irgendwo weit darüber angebaut wird. Woher sollten denn die generierten Gasionen wissen wo sie wann hin sollen? Die zur elektrostatischen Entladung generierten Gasionen „leben“ nur sehr kurz. Die Anziehungskräfte hin zur elektrostatisch geladenen Oberfläche können sehr gering sein. Daher sollte der Weg der vom Ionisationsgerät generierten Ionen zur geladenen Oberfläche auch so kurz wie möglich sein. Sicher, manchmal hat man keine Chance das Ionisationsgerät genau dort wo das Problem auftritt zu positionieren. Beispielsweise Leitelemente oder sich bewegende Maschinenteile könnten dies verhindern. Dann muss bestenfalls das Ionisationsgerät kurz vor der Problemstelle angebracht werden. Dabei muss man aber darauf achten, dass die zuvor elektrostatisch entladene Oberfläche sich nicht wieder durch erneute Reibung aufladen kann.


2 Das Ionisationsgerät kann nur das entladen was es sieht


Stellen Sie sich vor Sie wären so ein Ionisationsstab der in der Maschine hängt. Halten Sie sich dann mal die Augen zu. Was sehen Sie? Nichts. Warum soll es dem Ionisationsstab besser gehen. Was er nicht sieht, entlädt er nicht. Dort, wo sein Feld, das mit Gasionen angereichert ist, nicht ungehindert hinstreuen kann, wird die Elektrostatik nicht beseitigt. Die Gasionen können nicht um die Ecke herum entladen. Oder können Sie um die Ecke herum gucken?


3 Geladene Oberflächen immer komplett entladen


Denken wir an ein beliebiges Kunststoffteil, ein Vial oder an eine Kanüle. Wird nur eine Seite davon elektrostatisch entladen, kann sich die auf der anderen Seite verbliebende Restladung nach und nach wieder über die ursprünglich entladene Seite hinweg ausbreiten. Zwar wurde das gesamte Ladungsniveau dann etwas abgesenkt, aber die verbliebene Ladung kann durchaus bei sehr sensiblen Prozessen wie beispielsweise beim Wiegen an einer Laborwaage noch immer zu Störungen führen.


4 Streufeld der Ionisation nicht einschränken


Das Raum in dem die generierten Gasionen streuen sollte nicht eingeschränkt werden. Die Ionen müssen ungehindert auf die zu entladende Oberfläche streuen können. Es sollte sich nichts zwischen dem Ionisationsgerät und der zu entladenden Oberfläche befinden. Die Ionen zieht es immer zum nächsten naheliegenden Gegenpotential. Dieses Gegenpotential sehen die Ionen in allem das sich neben oder zwischen dem Ionisationsgerät und der zu entladenden Oberfläche befindet. Dabei ist es den Ionen egal ob es sich um die Oberfläche handelt die tatsächlich entladen werden soll, oder um ein Leitelement das gerade mal zufällig dem Ionisationsgerät die freie Sicht versperrt. Es ist ebenso unerheblich aus welchem Material diese Oberfläche ist. Selbst in einem Blatt Papier würden die Ionen ein tolles Gegenpotential sehen.


5 Ionen gehen nicht durch Schläuche, Rohre oder Düsen


Es ist definitiv nicht möglich Ionen, also elektrisch wertige Atome der Luft durch einen Schlauch, durch ein Rohr oder durch eine Düse zu blasen. Die Ionen würden sich entweder sofort gegen die Innenwand elektrisch neutralisieren oder die Innenwand mit ihrem Ladungspotential ein Stück weit aufladen. Am Ende käme dann nur ganz normale, elektrisch neutrale Blasluft heraus. Dabei ist es übrigens vollkommen egal aus welchem Material der Schlauch, das Rohr oder die Düse ist.


Wenn Sie nun alle diese einfachen kleinen Regeln in Ihren Anwendungsfall herein umsetzten, haben Sie bereits den größten Teil der Lösung Ihres elektrostatischen Problems erarbeitet. Zugegeben: Das ist in der Praxis einfacher geschrieben als getan. Trotzdem wünsche ich Ihnen ...


Viel Erfolg